Rechtsanwältin Denise Himburg
Veröffentlichung der Fotografien von Manfred Tischer im Rahmen einer Ausstellung nur mit Genehmigung der Beuys-Erbin zulässig

Das OLG Düsseldorf hat heute entschieden, dass für die Veröffentlichung der Fotografien von Manfred Tischer im Rahmen einer Ausstellung im Museum Schloss Moyland eine Genehmigung von Beuys bzw. der Beuys-Erbin erforderlich gewesen wäre und die Fotoserie daher nicht hätte ausgestellt werden dürfen.

Sachverhalt

Die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst wollte der "Stiftung Museum Schloss Moyland" verbieten lassen, Fotografien von Manfred Tischer in einer Ausstellung zu präsentieren.

Die Stiftung hatte im Mai 2009 im Museum Schloss Moyland die Ausstellung "Joseph Beuys - Unveröffentlichte Fotografien von Manfred Tischer“ eröffnet. In der bis September 2009 dauernden Ausstellung wurde u.a. die bislang unveröffentlichte Fotoserie von Manfred Tischer „Das Schweigen von Marcel Duchamp wird überbewertet, 1964“ gezeigt. Die Schwarz-Weiß-Fotos zeigen Joseph Beuys in einer künstlerischen Aktion in der ZDF-Live-Sendung „Die Drehscheibe“ am 11.12.1964.

Das LG Düsseldorf hatte das Museum verurteilt, eine Präsentation der Fotografien zu unterlassen (Az.: 12 O 255/09, Urteil vom 29.09.2010).

Entscheidung


Das OLG Düsseldorf hat heute die landgerichtliche Entscheidung bestätigt und entschieden, dass die Fotoserie nicht als freie Bearbeitung der Beuys-Aktionskunst, sondern als Umgestaltung einzustufen sei, für die eine Genehmigung von Beuys bzw. der Beuys-Erbin erforderlich gewesen wäre. Durch die Fotografien sei das Beuys-Aktionskunstwerk mit den Mitteln der Fotografie zwar umgestaltet worden, diese hätten sich jedoch nicht so weit von der Aktionskunst entfernt, dass eine freie und damit nicht genehmigungspflichtige Bearbeitung vorliege. So zeigten die Fotografien nicht nur die besondere Form der Anordnung der Gegenstände, sondern auch die Handlungsabläufe. Es lägen auch keine ausreichenden Anhaltspunkte dafür vor, dass Beuys mit den Aufnahmen seinerzeit einverstanden gewesen wäre.

Der Senat hat die Revision zum Bundesgerichtshof zugelassen.

Quelle: PM des OLG Düsseldorf vom 30.12.2011