Rechtsanwältin Denise Himburg
wenn Medikament Durchfall nicht binnen weniger Stunden stoppt

Das OLG Schleswig hatte sich mit der Bewerbung eines Medikaments gegen Durchfall mit der Anpreisung "L. stoppt Durchfall" zu befassen und hält diese für unzulässig, wenn das Medikament den Durchfall nicht binnen weniger Stunden stoppt.

Sachverhalt

Die Beklagte ist ein Arzneimittelanbieter. Sie vertreibt in Deutschland unter anderem das Präparat L., dessen Wirkstoff aus gefriergetrockneten Milchsäurebakterien besteht. Sie warb für das Medikament unter anderem mit den Angaben

"L. stoppt Durchfall".

In ihrer Werbung nahm sie Bezug auf eine wissenschaftliche Studie, aus der hervorging, dass die Durchfalldauer sich bei einer Behandlung mit L. im Mittel um 1,3 Tage auf knapp zwei Tage verringerte im Vergleich zu einer Gruppe die Placebos erhalten hatte.

Der klagende Verein, der den Zweck hat, die lautere Werbung auf dem Gebiet des Gesundheitswesens zu wahren, mahnte die Beklagte wegen irreführender Werbung ab, weil nicht erwiesen sei, dass das Medikament den Durchfall stoppe, also der Erfolg schnell, sofort und eindeutig auftrete.

Die Beklagte wies die Abmahnung zurück. Aus ihrer Sicht begründet der Werbeslogan bei dem Adressaten nur die Erwartung, dass der Durchfall binnen weniger Stunden "spürbar gelindert" sei.

Daraufhin erhob der Verein gegen den Arzneimittelanbieter Klage auf Unterlassung der Werbung.

Urteil OLG Schleswig

Nach Ansicht des OLG Schleswig ist die Werbeaussage "L. stoppt Durchfall" irreführend und damit wettbewerbswidrig.

Begründung

Der Slogan begründet in dem Adressaten die - unstreitig enttäuschte - Erwartung, dass der Durchfall binnen weniger Stunden (jedenfalls nicht erst nach 2 Tagen) vollständig beendet sei, d. h., dass schon dann jegliche Symptome verschwunden seien. Wenn der Durchfall binnen weniger Stunden nicht vollständig beendet, sondern nur spürbar gelindert ist, wird diese Erwartung nicht erfüllt.

Das Gericht folgte damit nicht der Argumentation der Beklagten, dass der Begriff "Stoppen" lediglich den Beginn eines Vorgangs bezeichnet. Nach dem allgemeinen Sprachgebrauch "stoppt" beispielsweise ein Auto nicht schon dann an einer Ampel, wenn es immer langsamer wird, während es an der Ampel vorbeifährt, sondern nur dann, wenn es schon an der Ampel wirklich stehen bleibt.

Auch wenn die Beklagte zwischenzeitlich in ihrer Internetwerbung den Slogan "L. stoppt Durchfall" durch den Slogan "L. bekämpft Durchfall" ersetzt hat, entfällt hierdurch nicht die Wiederholungsgefahr (die Voraussetzung für den Unterlassungsanspruch ist); zumal sie im Printbereich noch mit den ursprünglichen Slogans wirbt.

Schleswig-Holsteinisches OLG, Urteil vom 30.01.2014, Az.: 6 U 15/13


Quelle: PM des OLG Schleswig vom 20.03.2014